Freitag, 29. Juli 2011

Faszinierend!

 

Ich hatte sie ja schon ganz kurz in meinem Barfuß-Blog kurz angeschnitten und möchte heute doch ein bisschen tiefer einsteigen. Der Begriff Faszien ist mir das erste Mal in meiner Pilatesausbildung und im Zusammenhang mit Yogaübungen begegnet und man liest immer häufiger darüber.

Was genau sind denn jetzt Faszien?
Faszien gehören aus medizinischer Sicht zum Bindegewebe und werden auch als "strukturgebendes Organ" bezeichnet. Man kann sie sich wie ein stützendes Geflecht oder Netzwerk ohne Anfang und Ende vorstellen, das ausnahmslos alle Organe, Muskeln, Knochen und Nerven umhüllt und ihnen damit Form gibt. Dirk Beckmann hat im Pilates-Magazin ein schönes Bild dafür gefunden, weil Faszien noch immer ein bisschen abstrakt "daher kommen". Wenn man sich ein rohes Steak vorstellt, dann ist das ja mit einer milchig-weißen Haut umhüllt. Oder wenn wir uns eine Orange ansehen (was mir als Vegetariern auch sympathischer ist ;)): Auch dort gibt es diese trennenden und formgebenden Strukturen, die das Fruchtfleisch umhüllen. So in etwas kann man sich das Ganze optisch vorstellen. Dank des höheren Augenmerks auf die Faszien weiß man heute, dass z. B. Rückenschmerzen durchaus ihre Ursache in einem schiefen Fußgewölbe haben können.

Und was "machen" sie?
Die Faszien haben mehrere Aufgaben im Körper. Zunächst einmal formen sie unseren Körper und sind damit auch für das Erscheinungsbild und unsere Körperstruktur verantwortlich. Durch ihre eigene Dehnspannung übertragen sie Spannung im Körper und halten ihn aufrecht. Wenn die Spannung nachlässt oder fehlt, kommt es zu Bewegungseinschränkungen und/oder Stauchungen.

Faszien sorgen außerdem dafür, dass die Lymphflüssigkeit zwischen ihnen abgeleitet wird, weil diese zwischen den einzelnen Faszien fließt. Wenn sich Muskeln bewegen, bewegt sich auch die Flüssigkeit zwischen den Faszien. Man kann also sagen, dass jede Bewegung den Lymphfluss unterstützt, der für den Abtransport von Abbauprodukten im Körper verantwortlich ist, aber auch Nährstoffe zu den Zellen transportiert.

Ein zu hoher Muskeltonus im Körper – also eine hohe Grundspannung in der Muskulatur – kann dazu führen, dass es zu einem Stau der Lymphe kommt und die Faszien miteinander verkleben. Wenn das passiert, können die Muskeln an diesen Stellen nicht mehr mühelos aneinander vorbei gleiten und wir fühlen Verspannungen und Blockaden. Die Faszien sind darüber hinaus mit zahlreichen Nervenendungen durchsetzt, die auf unser vegetatives Nervensystem wirken.

Kann man Faszien trainiern?
Da sie sehr tief im Körper liegen und schwer zu erreichen sind, kann man Faszien nicht isoliert trainieren. Man "erreicht" sie am besten mit Druck und Zug. Durch einen subtilen, schmerzfreien Druck mit Händen, Fäusten und Ellbogen auf neurologische Nahtstellen lassen sich Faszien mobilisieren und sogar ganze Muskelschichten dauerhaft verschieben. Manuelle Körpertherapien (z. B. Osteopathie oder Rolfing) setzen hier an. Man kann jedoch durchaus auch selbst etwas für die Faszien tun. Wichtig sind sinnvolle Trainingspausen zum Beispiel beim joggen, damit sich das Fasziengewebe wieder mit Wasser füllen kann. Auch in vielen Yoga- und Pilatesübungen werden die Faszien durch "schmelzende" Dehnungspositionen angesprochen. Mittlerweile gibt es auch Ansätze wie Fascia-Fitness, wo durch bestimmte Übungskombinationen mit Stretch und Massage die Faszien trainiert werden sollen.

Fest steht: Die Bedeutung der Faszien wird immer klarer und findet deshalb sicher künftig auch mehr Beachtung in sämtlichen Sportarten. Es bleibt spannend :-).


Image movenyo (Fotografin Gaby Gleich)

Quellen: Dirk Beckmann via Pilates-Magazin

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